Sonate 1 - Ausarbeitung von Hauptsatz und Überleitung

von Ulrich Kaiser

Voraussetzungen (Formfunktionen)

Voraussetzung für die Ausarbeitung eines Sonatensatzes sind Kenntnisse der Begriffe Exposition, Durchführung und Reprise sowie der grundlegende harmonische Verlauf einer Sonate in Dur im ausgehenden 18. Jahrhundert (Exposition: I -> V :||: Durchführungsziel = vi und Reprise = I :||). Eine Exposition lässt sich über die Formfunktionen Hauptsatz, Überleitung, Seitensatz und Schlussgruppe verstehen, wobei ein Hauptsatz häufig mit einem Ganzschluss der Ausgangstonart und eine modulierende Überleitung mit einem Halbschluss in der Nebentonart endet. Wird der Seitensatz mit einer Kadenz beschlossen, geschieht dies üblicher Weise durch einen Ganzschluss in der Nebentonart. Die Funktion der Schlussgruppen besteht im Abschluss der Exposition durch eine groß angelegte ›Arientriller«-Kadenz und/oder wiederholtes Kadenzieren in der Nebentonart. Die Durchführung hat in einer Komposition in Dur die vi. Stufe zum Ziel, in der Reprise erklingen in einer Sonate in Dur Seitensatz und Schlussgruppe in der Unterquinte (d.h. im Normalfall in der Ausgangstonart).

Die Vorgabe

Das folgende Notenbeispiel zeigt die Vorgabe für die Formfunktionen Hauptsatz und Seitensatz:

Der Hauptstatz

Die Vorgabe für den Hauptsatz (oben) zeigt einen Viertakter, der dominantisch öffnend ist (die Melodie endet idealtypisch auf dem zweiten Ton e der Tonart D-Dur). Es ist naheliegend, einen solchen Viertakter zu einer achttaktigen Periode auszuarbeiten. Für das folgende Beispiel wurde die Vorgabe relativ mechanisch zu einer Periode ergänzt (Wiederholung der ersten Phrase und Änderung des Halbschlusses zu einem Ganzschluss):

In dieser oder einer vergleichbaren Ausarbeitung klingt allerdings die Unisono-Wiederholung des Anfangs in den Takten fünf und sechs etwas langweilig. Die folgende Ausarbeitung behebt diesen Mangel:

Wie kommt man auf eine solche Verbesserung? Durch Literaturstudium und ein Vorbild! In diesem Fall wurde als Vorbild die Periode des Kopfsatzes der Klaviersonate KV 576 von W. A. Mozart gewählt:

Dem Beispiel lässt sich allerdings auch entnehmen, dass Mozart nach der Periode eine variierte Wiederholung der Taktgruppe anschließt, wobei er die Melodie der rechten Hand in die linke Hand versetzt und in der Oberstimme zuerst mithilfe einer Imitationm, anschließend mit einer schnellen Sechzehntelpasage kontrapunktiert. Für das folgende Beispiel wurde Mozarts Idee der Wiederholung mit Stimmtausch und einer bewegten Oberstimme übernommen und die Vorgabe auf diese Weise zu einer Taktgruppe von 16 Takten Länge ausgearbeitet:

Überleitung

Das Vorbild für die sich mit Takterstickung anschließende Formfunktion Überleitung wurde dem Kopfsatz der Klaviersonate in C-Dur KV 309 (284b) entlehnt:

Überleitung Gerüstsatz Überleitung Ausarbeitung

Von dieser Überleitung wurde der Gerüstsatz (Hauptnoten des Bass, Harmonik und zum Teil auch die Struktur der Oberstimme) weitestgehend übernommen und nach D-Dur transponiert (zu sehen beim Berühren der Abbildung). Für die Ausarbeitung des Gerüstatzes selbst wurden dann einfache systsematische Vorgaben befolgt:

  • zuerst Tonleiterbewegungen, dann Akkordbrechungen in jedem Zweitakter des Überleitungsmodells
  • Repetitionen in der linken Hand wie in KV 309
  • beim Erreichen der Nebentonart nur noch Akkordbrechungen
  • Stufengang zum Halbschluss (a-h-cis-dis-e) mit Dezimenparallelen in der Oberstimme und Beschleunigung der Bewegung (durcgehende Sechzehntelbewegung)
  • Prolongation der Dominante durch Arpeggien und einen markanten Abschluss (drei Abschlussakkorde)

Den Gerüstsatz zeigt die folgende Abbildung, die Musterlösung sehen Sie beim Berühren der Abbildung:

Überleitung Gerüstsatz Überleitung Ausarbeitung

Wenn Sie mehr über das Schreiben einer Sonate lernen möchten, können Sie auch eines der folgenden Tutorials lesen: