Tonleitern und Skalen

von Ulrich Kaiser



In Musiklehren findet man die häufig die folgenden Bezeichnungen für Skalen und Tonleitern. Klicken Sie auf die jeweiligen Erläuterungen, um Informationen zum Aufbau und zur Besonderheit der jeweiligen Tonfolge zu erhalten oder schauen sie sich die praktische Vorgehensweise an, wenn Sie schnell die Vorzeichen von einer Tonleitern bestimmen möchten.

Tetrachorde

Als Tetrachord (von τετρα = vier und chorda = Saite) wird eine Tonleiter aus nur vier Tönen bezeichnet. Am gebräuchlichsten sind heute Tetrachorde, in denen nur Ganz- und Halbtonschritte vorkommen:

1. Halbtonschritt an letzter Stelle

Der Tetrachord mit der Struktur Ganzton (= 2 Halbtonschritte) - Ganzton (2) - Halbton (= 1 Halbtonschritt) wird auch als Dur-Tetrachord bezeichnet, weil mit ihm die Durtonleiter beginnt:

2. Halbtonschritt in der Mitte

Der Tetrachord mit der Struktur Ganzton (2) - Halbton (1) - Ganzton (2) wird auch als Moll-Tetrachord (oder auch: dorisches Tetrachord) bezeichnet, weil mit ihm die Molltonleiter (bzw. die dorische Tonleiter) beginnt:

3. Halbtonschritt an erster Stelle

Der Tetrachord mit der Struktur Halbton (1) - Ganzton (2) - Ganzton (2) wird auch als phrygisches Tetrachord bezeichnet, weil mit ihm die phrygische Tonleiter beginnt:


Dur-Tonleiter

Die Durtonleiter lässt sich als Zusammensetzung aus zwei Dur-Tetrachorden verstehen:

Oft wird die Durtonleiter auch als Ausschnitt (= 6 Quinten) aus der Quintenkette bzw. aus dem Quintenturm erklärt. Eine weitere Erklärung ergibt sich aus ihrer Intervallstruktur bzw. der Folge Ganzton - Ganzton - Halbton - Ganzton - Ganzton - Ganzton - Halbton bzw. in Kurzschreibweise 2-2-1-2-2-2-1 (2 = Ganzton und 1 = Halbton). Der erste bzw. tiefste Ton der Durtonleiter wird als Grundton bezeichnet:

Diese Struktur findet sich auf dem Klavier zwischen den weiße Tasten vom Ton c aus:

Wenn Sie die Töne der Durtonleiter von einem gegebenen Ton aus bestimmen möchten, notieren Sie hierzu am besten in einem ersten Schritt acht Stammtöne (ohne Vorzeichen) von dem gegebenen Ton aus. Für den Ton d lauten diese Stammtöne zum Beispiel: d-e-f-g-a-h-c-d (untere Ebene in der nachstehenden Abbildung). Überprüfen Sie anschließend, an welchen Stellen die Struktur der Durtonleiter von der Struktur der Stammtöne abweicht:

Der zweite Tonschritt auf der Ebene der Stammtöne ist beispielsweise ein Halbtonschritt (1), der zweite Tonschritt für die Durtonleiter muss jedoch ein Ganztonschritt sein (2). Um diese Struktur herzustellen, müssen Sie das f um einen halben Ton erhöhen, dass heißt zu fis alterieren (= chromatisch verändert werden). Aus dem gleichen Grund muss auch das c zu cis alteriert werden. Die Notation der D-Dur Tonleiter in einem Notensystem sieht wie folgt aus:


Moll-Tonleitern

Die natürliche Molltonleiter (oder auch nur Molltonleiter) lässt sich als Zusammensetzung aus dem Moll-Tetrachord (unten) und dem Phrygischen-Tetrachord (oben) verstehen:

Auch die natürliche Molltonleiter lässt sich als Ausschnitt (= 6 Quinten) aus der Quintenkette bzw. aus dem Quintenturm verstehen. Als Intervallstruktur der Tonleiter ergibt sich die Folge Ganzton - Halbton - Ganzton - Ganzton - Halbton - Ganzton - Ganzton bzw. in Kurzschreibweise 2-1-2-2-1-2-2. Der erste bzw. tiefste Ton der Molltonleiter ist der Grundton:

Diese Struktur findet sich auf dem Klavier zwischen den weiße Tasten vom Ton a aus:

Wenn Sie die Töne der Molltonleiter von einem gegebenen Ton aus bestimmen möchten, notieren Sie hierzu am besten in einem ersten Schritt acht Stammtöne (ohne Vorzeichen) von dem gegebenen Ton aus. Für den Ton d lauten diese Stammtöne beispielsweise: d-e-f-g-a-h-c-d (untere Ebene in der nachstehenden Abbildung). Überprüfen Sie anschließend, an welchen Stellen die Struktur der Molltonleiter von der Struktur der Stammtöne abweicht:

Der fünfte Tonschritt muss in der natürlichen Molltonleiter beispielsweise ein Halbtonschritt (1) sein, auf der Ebene der Stammtöne findet sich an dieser Setlle jedoch Ganztonschritt (2). Das heißt, dass für die Struktur der natürlichen Molltonleiter das h um einen halben Ton erniedrigt, also zu b alteriert (= chromatisch verändert) werden muss. Die Notation einer d-Moll Tonleiter im Notensystem sieht wie folgt aus:

Die melodische Molltonleiter ist ein Hilfsmittel, um sich bestimmte Vorzeichen in sehr typischen melodischen Wendungen erklären zu können. Das folgende Notenbeispiel zeigt links den Anfang der zweistimmigen Invention in e-Moll BWV 778 von Johann Sebastian Bach, rechts wurden alle Töne des Beispiels zu einer Tonleiter geordnet. In dieser sogenannten melodischen Molltonleiter werden die Vorzeichen cis und dis berücksichtigt, die Bach am Anfang seiner e-Moll-Invention aus melodischen Gründen verwendet hat:

Die melodische Molltonleiter lässt sich als Zusammensetzung aus dem Moll-Tetrachord (unten) und dem Dur-Tetrachord (oben) verstehen, auch in der melodischen Molltonleiter ist der erste bzw. tiefste Ton der Grundton:

Da die melodische Molltonleiter nur ein Hilfsmittel zur Erklärung bestimmter Vorzeichen ist, verbindet sich mit dieser Tonleiter − anders als zum Beispiel die natürliche Molltonleiter − nicht eine eigenständige Tonart (Sie können beispielsweise ein melodisches e-Moll nicht durch eine Generalvorzeichnung vorgeben). Möchten Sie die Töne dieser Skala bestimmen, errechnen Sie zuerst die Töne der natürlichen Molltonleiter und erhöhen Sie anschließend die VI. und VII. Tonleiterstufe (also zum Beispiel in e-Moll die Töne c und d zu cis und dis).

Die harmonische Molltonleiter ist − wie die melodische Molltonleiter − eine Hilfskonstruktion, um sich den künstlich erhöhten Leitung in einer Kadenz über eine Tonleiter erklären zu können:

Das folgende Beispiel zeigt eine Kadenz. Die Terz der Subdominante d-Moll f (6. Ton der Tonleiter) und die Terz der Dominante E-Dur gis (= Leitton bzw. erhöhter 7. Ton der Tonleiter) wurden rot markiert. Diese beiden Töne ergeben als Tonleiter notiert (im Beispiel oben) zwischen dem 6. und 7. Ton eine übermäßigen Sekundschritt (= 3 Halbtonschritte):

Da auch die harmonische Molltonleiter nur ein Hilfsmittel zur Erklärung des Leittons ist, verbindet sich auch mit dieser Tonleiter keine eigenständige Tonart (Sie können beispielsweise ein harmonisches a-Moll nicht durch eine Generalvorzeichnung vorgeben). Möchten Sie die Töne dieser Skala bestimmen, errechnen Sie zuerst die Töne der natürlichen Molltonleiter und erhöhen Sie anschließend die VII. Tonleiterstufe (bzw. erzeugen Sie durch Vorzeichen einen künstlichen Leitton, also zum Beispiel in a-Moll durch Erhöhung des Tons g zu gis).

Praktische Vorgehensweise für Dur- und Molltonleitern:

Mit den folgenden Merksprüchen lassen sich die Vorzeichen einer Dur- oder Molltonleiter schnell bestimmen:

  • Geh' Du Alter Esel Hole Fische (für die Durtonarten mit #-Vorzeichnungen)
  • Frische Brötchen Essen Asse Des Gesangs (für die Durtonarten mit mit b-Vorzeichnungen)
  • ein haifisch cischt gisela diskret an. (für die Molltonarten mit #-Vorzeichnungen)
  • der ganze chor friert beim essen (für die Molltonarten mit b-Vorzeichnungen)

Die beiden Sprüche für Moll sind übrigens entbehrlich, wenn man von der gesuchten Molltonleiter aus eine kleine Terz aufwärts rechnet und die Vorzeichen der parallelen Durtonleiter bestimmt. Nehmen wir zum Beispiel fis-Moll oder A-Dur:

  • Notieren Sie die acht Töne ohne Vorzeichen von fis oder a aus: f, g, a, h, c, d, e, f oder a, h, c, d, e, f, g und a.
  • Zählen Sie die Wörter des ersten Spruchs, bis das Wort mit A anfängt: »Geh' Du Alter«. Die Anzahl der Wörter ergibt die Anzahl der Vorzeichen: A-Dur hat also drei Kreuze (und fis-Moll als parallele Molltonleiter hat dieselben Vorzeichen).
  • Nehmen Sie die Anfangsbuchstaben der Wörter: »Geh' Du Alter« als Töne: g, d und a und bestimmen Sie jeweils den Ton darunter: f (unter g), c (unter d) und g (unter a).
    Tastatur A-Dur Diese Töne (f, c und g) müssen durch ein # erhöht werden, die Vorzeichen von A-Dur (und auch von fis Moll) heißen demnach fis, cis und gis. Notieren Sie abschließend diese Kreuze im Zick-Zack am Anfang des Systems.
Vorzeichen A-Dur

Oder zum Beispiel Es-Dur (oder c-Moll):

  • Notieren Sie die acht Töne ohne Vorzeichen von es c oder aus: e, f, g, a, h, c, d und e (oder c, d, e, f, g, a, h, c).
  • Zählen Sie die Wörter, bis das Wort mit Es anfängt: »Frische Brötchen Essen«. Die Anzahl der Wörter ergibt die Anzahl der Vorzeichen: Es-Dur hat drei b-Vorzeichen (und c-Moll als parallele Molltonleiter hat dieselben Vorzeichen).
  • Zur Bestimmung, welche Vorzeichen Sie benötigen, beginnen Sie den Spruch ein Wort später (also nicht bei »Frische«, sondern bei »Brötchen«) und zählen Sie wiederum drei Wörter ab. Dann ergibt sich: »Brötchen Essen Asse«. Die Anfangsbuchstaben dieser Wörter geben die Vorzeichen an, sie heißen: b, es und as. Notieren Sie die b's abschließend im Zick-Zack (wie unten abgebildet) am Anfang des Systems.
Vorzeichen Es-Dur

Kirchentonleitern

Dorisch

Die dorische Tonleiter lässt sich als Zusammensetzung aus zwei Moll-Tetrachorden verstehen:

Auch die dorische Tonleiter lässt sich als Ausschnitt (= 6 Quinten) aus der Quintenkette bzw. aus dem Quintenturm verstehen. Als Intervallstruktur der Tonleiter ergibt sich die Folge Ganzton - Halbton - Ganzton - Ganzton - Ganzton - Halbton - Ganzton bzw. in Kurzschreibweise 2-1-2-2-2-1-2.

Diese Struktur findet sich auf dem Klavier zwischen den weiße Tasten vom Ton d aus:

Wenn Sie Dorisch von einem gegebenen Ton aus bestimmen möchten, notieren Sie hierzu am besten in einem ersten Schritt acht Stammtöne (ohne Vorzeichen) von dem gegebenen Ton aus. Für den Ton e lauten diese Stammtöne zum Beispiel: e-f-g-a-h-c-d-e (untere Ebene in der nachstehenden Abbildung). Überprüfen Sie anschließend, an welchen Stellen die Struktur Dorisch von der Struktur der Stammtöne abweicht:

Der erste Tonschritt auf der Ebene der Stammtöne ist beispielsweise ein Halbtonschritt (1), für die dorische Tonleiter wird hier jedoch ein Ganztonschritt (2) benötigt. Um diese Struktur herzustellen, müssen Sie das f um einen halben Ton erhöhen, dass heißt zu fis alterieren (= chromatisch verändern). Aus dem gleichen Grund muss auch das c zu cis erhöht werden. Die phrygische Tonleiter von dem Ton e aus lautet: e-fis-g-a-h-cis-d-e

Die Notation der e-dorischen Tonleiter in einem Notensystem sieht wie folgt aus:

Im Hinblick auf alte Tonarten wurde zwischen authentischen und plagalen Tonarten unterschieden. Das Thema alte Tonarten ist allerdings sehr viel komplexer, als die Angabe einer Tonleiter und wird daher in einem eigenen Tutorial besprochen. Wird für eine Kirchentonarten eine Tonleiter angegeben, ist fast immer ein neueres Verständnis von Kirchentonarten gemeint, dass sich lediglich auf die Töne einer Skala bezieht (und das mit dem Tonartverständnis alter Musik nicht viele Gemeinsamkeiten hat). Ein solches Verständnis ist typisch für den Jazz und beispielsweise auch für die Musik von Béla Bartóks. Das folgende Stück aus Bartóks Mikrokosmos trägt die Titel »Dór hangsor« (Dorische Tonart) und verwendet − mit Ausnahme des fis im Schlussakkord, das auch als »picardische Terz« bezeichnet wird − nur Töne der dorischen Tonleiter von d aus:


Phrygisch

Die phrygische Tonleiter lässt sich als Zusammensetzung aus zwei phrygischen Tetrachorden verstehen:

Die phrygische Tonleiter lässt sich gleichzeitig als Ausschnitt (= 6 Quinten) aus der Quintenkette bzw. aus dem Quintenturm verstehen. Als Intervallstruktur der Tonleiter ergibt sich die Folge Halbton - Ganzton - Ganzton - Ganzton - Halbton - Ganzton - Ganzton bzw. in Kurzschreibweise 1-2-2-2-1-2-2.

Diese Struktur findet sich auf dem Klavier zwischen den weiße Tasten vom Ton e aus:

Wenn Sie Phrygisch von einem gegebenen Ton aus bestimmen möchten, notieren Sie hierzu am besten in einem ersten Schritt acht Stammtöne (ohne Vorzeichen) von dem gegebenen Ton aus. Für den Ton d lauten diese Stammtöne zum Beispiel: d-e-f-g-a-h-c-d (untere Ebene in der nachstehenden Abbildung). Überprüfen Sie anschließend, an welchen Stellen die Struktur Phrygisch von der Struktur der Stammtöne abweicht:

Der erste Tonschritt auf der Ebene der Stammtöne ist ein Ganztonschritt (2), für die phrygische Tonleiter wird hier jedoch ein Halbtonschritt (1) benötigt. Um diese Struktur herzustellen, müssen Sie das e um einen halben Ton erniedrigen, dass heißt zu es alterieren (= chromatisch verändern). Aus dem gleichen Grund muss auch das h zu b erniedrigt werden. Die phrygische Tonleiter von dem Ton d aus lautet also: d-es-f-g-a-b-c-d

Die Notation der d-phrygischen Tonleiter in einem Notensystem sieht wie folgt aus:

Im Hinblick auf die das Thema ›Phrygisch/alte Tonarten‹ gilt das im Zusammenhang mit dem Dorischen Gesagte.


Lydisch

Die lydische Tonleiter lässt sich als Zusammensetzung aus drei Ganztonschritten und einem Dur-Tetrachord verstehen:

Die lydische Tonleiter lässt sich auch als Ausschnitt (= 6 Quinten) aus der Quintenkette bzw. aus dem Quintenturm verstehen. Als Intervallstruktur der Tonleiter ergibt sich die Folge Ganzton - Ganzton - Ganzton - Halbton - Ganzton - Ganzton - Halbton bzw. in Kurzschreibweise 2-2-2-1-2-2-1.

Diese Struktur findet sich auf dem Klavier zwischen den weiße Tasten vom Ton f aus:

Wenn Sie Lydisch von einem gegebenen Ton aus bestimmen möchten, notieren Sie hierzu am besten in einem ersten Schritt acht Stammtöne (ohne Vorzeichen) von dem gegebenen Ton aus. Für den Ton d lauten diese Stammtöne zum Beispiel: d-e-f-g-a-h-c-d (untere Ebene in der nachstehenden Abbildung). Überprüfen Sie anschließend, an welchen Stellen die Struktur Lydisch von der Struktur der Stammtöne abweicht:

Der zweite Tonschritt auf der Ebene der Stammtöne ist ein Halbtonschritt (1), für die lydische Tonleiter wird hier jedoch ein Ganztonschritt (2) benötigt. Um diese Struktur herzustellen, müssen Sie das f um einen halben Ton erhöhen, dass heißt zu fis alterieren (= chromatisch verändern). Und auch das g muss noch erhöht werden, damit vom d aus die drei benötigten Ganztonschritte erklingen. Abschließend wird die Erhöhung des c zu cis benötigt, um den Halbtonschritt zwischen der siebten und achten Tonleiterstufe herzustellen. Die lydische Tonleiter von dem Ton d aus lautet: d-e-fis-gis-a-h-cis-d

Die Notation der d-lydischen Tonleiter in einem Notensystem sieht wie folgt aus:

Im Hinblick auf die das Thema ›Lydisch/alte Tonarten‹ gilt das im Zusammenhang mit dem Dorischen Gesagte.


Mixolydisch

Die mixolydische Tonleiter lässt sich als Zusammensetzung aus einem Dur-Tetrachord und einem Moll-Tetrachord verstehen:

Die mixolydische Tonleiter lässt sich zudem als Ausschnitt (= 6 Quinten) aus der Quintenkette bzw. aus dem Quintenturm verstehen. Als Intervallstruktur der Tonleiter ergibt sich die Folge Ganzton - Ganzton - Halbton - Ganzton - Ganzton - Halbton - Ganzton bzw. in Kurzschreibweise 2-2-1-2-2-1-2.

Diese Struktur findet sich auf dem Klavier zwischen den weiße Tasten vom Ton g aus:

Wenn Sie Mixolydisch von einem gegebenen Ton aus bestimmen möchten, notieren Sie hierzu am besten in einem ersten Schritt acht Stammtöne (ohne Vorzeichen) von dem gegebenen Ton aus. Für den Ton d lauten diese Stammtöne zum Beispiel: d-e-f-g-a-h-c-d (untere Ebene in der nachstehenden Abbildung). Überprüfen Sie anschließend, an welchen Stellen die Struktur Mixolydisch von der Struktur der Stammtöne abweicht:

Der zweite Tonschritt auf der Ebene der Stammtöne ist ein Halbtonschritt (1), für die mixolydische Tonleiter wird hier jedoch ein Ganztonschritt (2) benötigt. Um diese Struktur herzustellen, müssen Sie das f um einen halben Ton erhöhen, dass heißt zu fis alterieren (= chromatisch verändern). Die mixolydische Tonleiter von dem Ton d aus lautet: d-e-fis-g-a-h-c-d

Die Notation der d-lydischen Tonleiter in einem Notensystem sieht wie folgt aus:

Im Hinblick auf die das Thema ›Mixolydisch/alte Tonarten‹ gilt das im Zusammenhang mit dem Dorischen Gesagte.


Äolisch und Ionisch

Die äolische Tonleiter weist die gleiche Struktur auf wie die natürliche Molltonleiter. Im Hinblick auf die das Thema ›Äolisch/alte Tonarten‹ gilt das im Zusammenhang mit dem Dorischen Gesagte.

Die ionische Tonleiter weist die gleiche Struktur auf wie die Durtonleiter. Im Hinblick auf die das Thema ›Ionisch/alte Tonarten‹ gilt das im Zusammenhang mit dem Dorischen Gesagte.


Lokrisch

Die lokrische Tonleiter lässt sich als Zusammensetzung aus einem phrygischen-Tetrachord und einem lydischen-Tetrachord (drei Ganztonschritte) verstehen:

Die lokrische Tonleiter lässt sich zudem als Ausschnitt (= 6 Quinten) aus der Quintenkette bzw. aus dem Quintenturm verstehen. Als Intervallstruktur der Tonleiter ergibt sich die Folge Halbton - Ganzton - Ganzton - Halbton - Ganzton - Ganzton - Ganzton bzw. in Kurzschreibweise 1-2-2-1-2-2-2.

Diese Struktur findet sich auf dem Klavier zwischen den weiße Tasten vom Ton h aus:

Wenn Sie Lokrisch von einem gegebenen Ton aus bestimmen möchten, notieren Sie hierzu am besten in einem ersten Schritt acht Stammtöne (ohne Vorzeichen) von dem gegebenen Ton aus. Für den Ton d lauten diese Stammtöne zum Beispiel: d-e-f-g-a-h-c-d (untere Ebene in der nachstehenden Abbildung). Überprüfen Sie anschließend, an welchen Stellen die Struktur Lokrisch von der Struktur der Stammtöne abweicht:

Der erste Tonschritt auf der Ebene der Stammtöne ist ein Ganztonschritt (2), für die lokrische Tonleiter wird hier jedoch ein Halbtonschritt (1) benötigt. Um diese Struktur herzustellen, müssen Sie das e um einen halben Ton erniedrigen, dass heißt zu es alterieren (= chromatisch verändern). Auch die Töne a und h müssen tiefalteriert werden, so dass die lokrische Tonleiter lautet: d-es-f-g-as-b-c-d

Die Notation der d-lokrischen Tonleiter in einem Notensystem sieht wie folgt aus:

Wegen der verminderten Quinte hf wurde der Ton h als Finalis nicht verwendet, eine ›alte‹ Tonart lokrisch gibt es daher nicht.

Praktische Vorgehensweise für Kirchentonleitern:

Beachten Sie, dass alle Kirchentonarten auf ihren natürlichen Grundtönen (Dorisch = d, Phrygisch = e, Lydisch = f, Mixolydisch = g und Lokrisch = h) die gleichen Vorzeichen haben wie C-Dur (= keine Vorzeichen). Das heißt:

  • Dorisch hat die gleichen Vorzeichen, wie die Durtonleiter eine große Sekunde darunter (d-Dorisch = C-Dur)
  • Phrygisch hat die gleichen Vorzeichen, wie die Durtonleiter eine große Terz darunter (e-Phrygisch = C-Dur)
  • Lydisch hat die gleichen Vorzeichen, wie die Durtonleiter eine Quarte darunter (f-Lydisch = C-Dur)
  • Mixolydisch hat die gleichen Vorzeichen, wie die Durtonleiter eine Quarte darüber (g-Mixolydisch = C-Dur)
  • Lokrisch hat die gleichen Vorzeichen, wie die Durtonleiter eine kleine Sekunde darüber (h-Lokrisch = C-Dur)

Nun können Sie sich die Vorzeichen einer Kirchentonleiter schnell ausrechnen, vorausgesetzt, Sie können die Vorzeichen einer Durtonleiter schnell bestimmen, z.B.:

  • f-Dorisch hat die Vorzeichen der Durtonleiter eine große Sekunde darunter = Es-Dur (b, es, as),
  • a-Phrygisch hat die Vorzeichen der Durtonleiter eine große Terz darunter = F-Dur (b),
  • e-Lydisch hat die Vorzeichen der Durtonleiter eine Quarte darunter, = H-Dur (fis, cis, gis, dis, ais),
  • d-Mixolydisch hat die Vorzeichen der Durtonleiter eine Quarte darüber, = G-Dur (fis) und
  • c-Lokrisch hat die Vorzeichen der Durtonleiter eine kleine Sekunde darüber, = Des-Dur (b, es, as, des, ges).

Die Ionische-Tonleiter und die Durtonleiter sowie die äolische Tonleiter und die (natürliche) Molltonleiter haben die gleichen Vorzeichen.


Zigeuner-Dur und Moll

In der sogenannten Zigeuner-Molltonleiter spiegelt sich eine Vorstellung des 19. Jahrhunderts, welches Tonmaterial für die Musik der Roma typisch sei. Diese Skala kommt in sogenannter Kunstmusik nicht sehr häufig vor und wenn, dann meist nur als eine ›exotische‹ Farbe. Die Zigeuner-Molltonleiter ist bis auf einen Ton identisch mit der harmonischen Molltonleiter. Lediglich der vierte Ton dieser Skala muss noch zum Leitton (zur Quinte) erhöht werden. Damit hat diese Tonleiter drei Halbton- und zwei übermäßige Sekundschritte.

Wenn Sie diese Skala notieren müssen, gehen Sie wie bei der harmonischen Molltonleiter vor und alterieren zum Schluss den vierten Ton zu einem Leitton zur Quinte.

Für die sogenannte Zigeuner-Durtonleiter gilt das zum Zigeuner-Moll Gesagte. Diese Tonleiter ist symmetrisch und besteht aus der zweimaligen Verwendung des oberen Tetrachords der harmonischen Molltonleiter. Auch diese Tonleiter hat drei Halbton- und zwei übermäßige Sekundschritte.

Wenn Sie diese Skala notieren wollen, notieren Sie am besten zuerst eine Durtonleiter und erniedrigen im Anschluss daran den zweiten Ton der Skala zu einem phrygischen Leitton.

Die folgenden Tonhöhenfolge lässt sich als Mischung aus Zigeuner-Moll und Zigeuner-Dur verstehen:

Und George Bizet hat diese exotische Tonfolge für das Schicksalsmotiv der ›Zigeunerin‹ Carmen in seiner gleichnamigen Oper gewählt (eine Quinte tiefer in Zigeuner d/D). Viellleicht ist es der einzige Sinn der Zigeuner-Moll- und -Durtonleiter, den Reiz dieser wunderschöne Melodie etwas besser verstehen zu können:


Eine pentatonische Skala (von griechisch πεντα-/penta- = ›fünf-‹) besteht aus nur fünf Tönen.

Die Bluestonleiter lässt sich als Ableitung aus der Pentatonik verstehen.

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Bitte haben Sie noch ein wenig Geduld, bald wird dieses Tutorial an dieser Stelle abgeschlossen...



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