Noten lesen lernen

von Ulrich Kaiser




Wie schreibt man heute Noten?

Für die meisten Noten, die man heute aufschreibt, werden zwei Schlüsseln verwendet: Für hohe Stimmen und Instrumente der Violinschlüssel (oder g-Schlüssel), für tiefe Stimmen oder Instrumente der Bassschlüssel (oder f-Schlüssel). Warum der Violinschlüssel nicht Sopranschlüssel oder der Bassschlüssel nicht Celloschlüssel heißt, weiß wahrscheinlich kein Mensch (ist aber eigentlich auch nur unlogisch und nicht wirklich wichtig).
Wenn du dir die Tasten an einem Klavier einmal genau anschaust, liegt das sogenannte eingestrichene c etwas links von der Mitte (wenn du das nächste Bild mit der Maus berührst, kannst du die für das Notenlesen wichtigen Töne auf der Tastatur sehen). Als Faustregel kannst du dir merken, dass die Noten rechts vom eingestrichenen c am besten mit dem Violinschlüssel (g-Schlüssel), die Noten links davon mit dem Basschlüssel (f-Schlüssel) notiert werden können:

Lamentobass chromatisiert

Ein Notensystem - oder auch nur kurz: System - besteht heute aus fünf Linien. Das war nicht immer so, mehr dazu etwas später. Findest du auf einer Tatstatur das eingestrichene c etwas links von der Mitte, steht es beim Notenaufschreiben genau in der Mitte zwischen einem System mit g-Schlüssel (Violinschlüssel) und einem mit f-Schlüssel (Bassschlüssel):

Ist nur ein System da, wird das eingestrichene c also auf der ersten Hilfslinie unter dem System mit g-Schlüssel (Violinschlüssel) oder auf der ersten Hilfslinie über dem System mit f-Schlüssel (Basschlüssel) notiert. Da das Aufschreiben des Ausdrucks »eingestrichenes c« recht aufwendig ist, hat sich übrigens eine Kurzform durchgesetzt, die hier verwendet wird: Man notiert einfach nach dem Tonbuchstaben ein kleines Strichlein. Ihr könnt euch also merken: mit »eingestrichenem c« und »c'« ist dieselbe Note gemeint.

Den g- und f-Schlüssel konnte man früher übrigens auf verschiedenen Linien des Systems platzieren. Heute ist das wesentlich einfacher, weil die beiden Schlüssel einen festen Platz im Notensystem haben. Gelegentlich kann man auch dem sogenannten c-Schlüssel begegnen, der ein c im Notensystem markiert. Und der c-Schlüssel kann auf verschiedenen Linien vorkommen. Er wird z.B. für die Viola (als sogenannter Alt- oder auch Bratschenschlüssel) und auch für hohe Cello- und Fagottstellen (als Tenorschlüssel) verwendet. In der nächsten Abbildung sind diese beiden Schlüssel zu sehen. Von der Lage her markiert der c-Schlüssel immer das c':

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Violinschlüssel und Bassschlüssel

Wie bereits erwähnt, markiert der g-Schlüssel das g' (also das eingestrichene g) in einem Notensystem. Seine geschwungene Form erinnert ein wenig an das Schneckenhaus einer Schnecke, die gerade eine Wand hochkriecht:

Wenn du versuchst, den g-Schlüssel bzw. Violinschlüssel zu zeichnen, beginne am besten auf der g-Linie. Das ist die zweite Linie von unten in einem Notensystem. Von dieser Linie aus fährst du mit dem Stift zuerst nach rechts, um das Schneckenhaus zu zeichnen. Wenn der offene Kreis (das Schneckenhaus) fertig ist, musst du leicht rechts oben, eine scharfe Linkskurve und runter mitten durch das Schneckenhaus. Am Ende gehst du noch einen kleinen Halbkreis nach links und machst einen Punkt, wie du es in der nächsten Abbildung sehen kannst:

Als nächstes musst du lernen, wie die Noten auf den Linien und in den Zwischenräumen heißen. Und lernen heißt: man muss es leider wirklich lernen. Aber es gibt kleine Tricks, mit denen man schnell merken kann, wo welche Töne im System liegen. Am besten beginnst du, die folgende Buchstabenreihe auswendig zu lernen und immer zweimal hintereinander aufzusagen: c, e, g - h - d, f, a. Wenn du die Reihe kannst, kennst du die Töne auf den Linien des Notensytems mit Violinschlüssel:

Das c' liegt wie du weißt ja auf der ersten Hilfslinie unter dem System, von hier beginnt es mit c, e, g. Auf der mittleren Linie steht das h, anschließend kommen d, f und a.
Manchmal wird das Notenlesen auch über das Alphabet gelehrt, denn wenn man die Töne anders sortiert, bekommt man die Reihe c, d, e, f, g, a, h (bis auf die letzten beiden Buchstaben hat man das ja so bereits in der ersten Klasse gelernt). Diese Vorgehensweise hat allerdings einen Nachteil: man muss immer von unten loszählen, wenn man eine Note in der Mitte oder im oberen Teil des Systems wissen möchte. Und das dauert leider recht lange...
Wieder andere können sich gut über unsinnige Sprüchen etwas merken (das sind meistens Lehrerinnen und Lehrer). Wer will, lernt also zuerst die beiden Noten auf den Hilfslinien (C & A) und die restlichen Töne auf den Linien des Systems über den Spruch ein großes hallo der freunde (die fetten Anfangsbuchstaben geben die Töner der Linien von unten nach oben gelesen).
Wenn du die Reihe wirklich gut kannst, sind die Noten in den Zwischenräume kein Problem mehr. Denn man beginnt die Reihe einfach an einer anderen Stelle, nämlich mit d, f, a und macht dann mit der Reihe von vorne (bzw. unten in der Abbildung) weiter c, e, g bis man beim h angekommen ist. Du hast gemerkt: Die Buchstaben der beiden Reihen sind gleich, man muss die Reihe für die Zwischenräume nur an einer anderen Stelle beginnen. Und wenn du die Reihe immer zweimal hintereinander aufgesagt hast, kennst du auch diese Reihenfolge schon.



Schau dir das Video an, damit dir
das Lernen der Vorgehensweise etwas leichter fällt.



Wem das Lernen über Sprüche liegt, der kann sich auch für die Noten der Zwischenräumen im Bassschlüssel einen Spruch (einen selbst erfundenen?) merken.
Oder ihr geht für den Bassschlüssel so vor wie beim Violinschlüssel. Beim Bassschlüssel lautet die Reihe der Noten auf den Linien: e, g, h - d - f, a, c:

Und die an einer anderen Stelle begonnenen Reihe für die Noten in den Zwischenräumen: f, a, c - e, g, h und d:

Abschließend musst du nur noch lernen, wie man den Basschlüssel zeichnet (er ist leichter als der Violinschlüssel). Die Form ist ganz leicht, wenn man ihn sich als ein halbes Herz vorstellt (du hast sicherlich schon einmal ein Herz gezeichnet, oder?):

Die hier vorgestellte Methode hat neben dem Vorteil, dass man sich damit sehr schnell durch ein Notensystem hangeln kann, bis man alle Töne ›absolut‹, also ohne Abzählen benennen kann, noch einen weiteren Vorzug. Denn in der vorgeschlagenen Sprechweise in Gruppen c, e, g - h - d, f, a und e, g, h - d - f, a, c hat man vier wichtige Dreiklänge bereits gelernt. Zwei Durdreiklänge c-e-g und f-a-c sowie zwei Molldreiklänge d-f-a und e-g-h.

Die Noten über einem c haben immer die gleiche Oktavlage wie das c darunter (solange, bis ein neues c kommt). Das d über dem c' ist also das eingestrichene d oder auch d', das e über dem c' ist das eingestrichene e oder auch e' usw. Die Oktavlage unter dem c' wird die ›kleine Oktave‹ genannt und die Tonbuchstaben haben in dieser Oktave kein Strichlein (kleines c oder auch nur c, kleines d oder auch nur d usw.). Die Oktavlage unter der kleinen Oktave heißt große Oktave, die Tonbuchstaben dieser Oktave werden - wie der Name schon sagt - groß geschrieben (also großes C oder auch nur C, großes D oder auch nur D usw.). Die wichtigsten Oktavlagen und ihre Namen siehst du in der folgenden Abbildung:


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Vorzeichen

Es gibt heute drei Vorzeichen, mit denen Töne erhöht oder erniedrigt werden können. Das b, das Kreuz und das Auflösungszeichen.

  • Ein b vor der Note erniedrigt diese um einen halben Ton und an den Notennamen wird ein *›es‹ angehängt Eine c wird beispielsweise zum cesoder ein d zum des.
  • Ein # vor der Note erhöht diese um einen halben Ton und an den Notennamen wird ein *›is‹ angehängt Eine c wird beispielsweise zum cis oder ein d zum dis.
  • Ein Auflösungszeichen (das gibt es leider auf meiner Computertastatur nicht :) vor einer Note, die bereits ein Vorzeichen hat, hebt dieses Vorzeichen auf. Ein Auflösungszeichen kann daher also eine Note erhöhen oder erniedrigen, je nachdem, durch welches Vorzeichen die Note bereits erhöht oder erniedrigt wurde (man sagt auch: alteriert wurde). Eine cis wird beispielsweise wieder zum c oder ein des zum d.

Allerdings musst du dir einige wenige Ausnahmen merken:

  1. ees spricht sich blöd, von daher sagt man nur es
  2. aes ist auch blöd zu sprechen, von daher sagt man einfach nur as
  3. hes ist richtig, aber viel gebräuchlicher ist b. Das klingt komisch, ist aber so und lässt sich nur historisch verstehen
  4. eis und ais spricht sich nicht so, dass man es mit (Vanille-)Eis (am Stil) verwechseln kann, sondern mit getrennten Vokalen, also e-is oder a-is.
  5. In der Musik des 17. Jahrhunderts (also vor 200 Jahren und mehr) hatten die Vorzeichen noch eine andere Bedeutung. Aber das ist etwas für Profis und wird hier erklärt.

Im folgenden siehst du einige Beispiele im Violin- und Bassschlüsselsystem:


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Haben Noten immer so ausgesehen wie heute?

Unsere Notenschrift hat bis zum oben beschriebenen Aussehen eine lange Entwicklung durchgemacht. Zum Aufschreiben von einstimmiger Musik (z.B. von Musik, die von Mönchen in Kirchen gesungen wurde) war kein großer Umfang erforderlich. Man benötigte noch nicht einmal fünf Linien, um die Töne zu notieren, die man singen konnte. Die folgende Abbildung zeigt die sogenannte (französische) Quadratnotation, die über 600 Jahre alt und für uns heute schwer zu lesen ist:

Das nächste Beispiel stammt aus einem Buch von Michael Praetorius. Er schreibt in diesem Buch über den Stimmumfang von Lauten-Instrumenten und da diese einen sehr großen Umfang haben bzw. man mit diesem Instrument sehr viele Töne spielen kann, hat Prätorius das im Jahre 1619 wie folgt notiert (beim Berühren der Abbildung findest du einige Erklärungen):

Lamentobass chromatisiert

Und über das Praetorius-Beispiel versteht man jetzt die Abbildung viel besser, die am Anfang dieser Anleitung zu sehen war und die ihr hier am Ende noch einmal sehen könnt: Und über das Praetorius-Beispiel kannst du jetzt wahrscheinlich viel besser verstehen, warum das eingestrichene c (kurz c') im Violinschlüssel auf der ersten Hilfslinie unter dem System und im Bassschlüssel auf der ersten Hilfslinie über dem System notiert wird. Das Bild dazu hattest du schon weiter oben gesehen, hier siehst du es noch einmal:

Damit endet diese Anleitung auch schon. Alles weitere ist reine Übungssache, das heißt: üben, üben, üben! Und damit das immer mal zwischendurch geht (mit dem Tablet oder Handy), findet du unten einen Notenlese-Tool zum Üben. Viel Spaß damit!

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