Songwriting 3 - Die Gitarre

von Ulrich Kaiser

Ein Arbeitsheft zum Songwriting können Sie sich hier herunterladen.

  1. Akkorde und Rhythmen
  2. Riffs
  3. Skalen und Verzierungen
Notation Prechorus Notation Prechorus

Anfänglich wurden Gitarren aus der Notwendigkeit heraus verstärkt, sich gegen die übrigen Instrumente eines Tanzorchesters durchsetzen zu können. Über die unbeabsichtigte Verzerrung bei erhöhter Lautstärke durch wenig leistungsfähige Verstärker bis hin zur eigenen Klangästhetik ist die E-Gitarre seit Gitarristen wie Pete Townshend (The Who), Eric Clapton (Bluesbreakers, Cream, Blind Faith, Derek and the Dominos u.a.), Jeff Beck (Yardbirds, Jeff Beck Group) und Jimi Hendrix (Jeff Beck Group, Gypsy Sun & Rainbows) zum Markenzeichen der Pop- und Rockmu­sik avanciert. Die E-Gitarre ist ein Bundinstrument, ihr Frequenzbereich umfasst in der sechssaiti­gen Standard­stimmung E-A-d-g-h-e’ den Bereich von 82,4 bis 1.318,5 Hz. Die bekanntesten E-Gitarrenmodelle sind die in den 50er Jahren entwickelten von Fen­der (Stratocaster) und Gibson (Les Paul). Der Klang der E-Gitarre wird entscheidend durch Effekte beeinflusst.

Eine gute Seite zur Einführung und zum Anhören von Gitarren-Effekten finden Sie hier.

Akkorde und Rhythmen

Aufgrund der Gitarren-Stimmung lassen sich einige Akkorde sehr gut mit leeren Saiten spielen (Open String Chords):

Mithilfe eines Kapodasters lassen sich diese Voicings auch in anderen Tonarten ver­wenden (der Bund für den Kapo­daster ist dabei anzuge­ben).
Die folgenden Vocings lassen sich über Barré-Griffe spielen (bei Barré-Akkorden wird in der Regel der Zeigefinger der linken Hand wie ein Kapodaster verwendet):

Die schwarzen Notenköpfe des Notenbeispiels symbolisieren die mit dem Barréfin­ger, die grauen die mit den übri­gen Fin­gern ge­griffenen Töne.

Open String Chords sind als Strummingpattern für Akustik­gi­tar­ren beliebt. Als Strum­ming wird eine Spieltechnik bezeichnet, bei der (mit einem Plektrum) möglichst alle Saiten gleichzeitig angeschlagen werden. In Pop-Songs werden dazu häufig eine akus­­tische Gitarre mit Stahlsaiten (›Westerngitarre‹) oder eine unver­zerrte (clean) E-Gi­tar­re verwendet. Es gibt eine Vielzahl an unterschiedlichen Strum­ming-Pattern, deren Rhythmus passend zu den Drums und zum Charakter des Songs gewählt werden müssen.

Beispiele für Strumming-Pattern:

Im Prüfungskontext (z.B. Staatsexamen) ist das Voicing der Akkorde anzugeben:

Hörbeispiele:

  • What's Up von 4 Non Blondes
  • Hymn von Barcley James Harvest
  • Wonderwall von Oasis
  • Like The Way I Do von Melissa Etheridge
  • Torn von Natalie Imbruglia
  • High And Dry von Radio­head
  • Half Of My Heart von John Mayer
  • My Sweet Lord von George Harrison
  • Rescue Me von Bell, Book & Candle

Eine andere Begleittechnik ist das Spielen gebrochener Akkorde, z.B. für G-D-Em-C:

Hörbeispiel: Metallica – Nothing Else Matters

Ein typisches Pattern für eine Rockballade zeigt das folgende Beispiel:

Weitere Hörbeispiele für gebrochene Akkorde als Begleitpattern:

  • Sound Of Silence von Simon and Garfun­kel
  • Every Breath You Take von The Police
  • Wake Me Up When September Ends von Green Day
  • Halleluja von Leonhard Cohen
  • Everybody Hurts von R.E.M.

Für viele Stilistiken (z.B. Rockmusik, Heavy Metal, Schlager u.a.) sind verzerrte Rhyth­­mus­gitarren charakteristisch. In diesem Fall werden oft nur Powerchords (Grund­ton und Quinte) in Verbindung mit Palm Muting gespielt. Beim Palm Muting (auch: Palm Mute) werden die Saiten mit dem Handballen der rechten Hand abgedämpft, wo­durch ein perkussiver Sound erzeugt wird. Diese Technik wird häufig im Verse einge­setzt, damit die Gitarre nicht zu dominant klingt und dem Leadgesang Raum gelas­sen wird.

Durch Klingenlassen der Saiten lassen sich Akzente setzen:

In vielen Rock'n'Roll-, Blues- oder Rocksongs wird in Powerchords die Sext anstatt der Quint gespielt:

Das folgende Beispiel zeigt eine Fourchord-Progression im Stile der Rolling Stones:

Hörbeispiele für Palm Mute:

  • All The Small Thinks von Blink 182
  • Summer Of 69 von Bryan Adams
  • The Number Of The Beast von Iron Maiden
  • Basket Case von Green Day
  • Your Love von The Outfield
  • Whatever You Want von Status Quo

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Riffs

Als Riff wird in der Rock-/Popmusik ein melodisch-rhythmisches Motiv bezeichnet. Es kann als Response zum Solo oder durch beständige Wiederholung als wesentlicher Teil des Songs eingesetzt werden. Typisch für ein Riff ist die Wiederholung eines zwei- oder viertaktigen Patterns. Dabei werden die folgenden Typen unterschieden:

Single-Note-Riffs (bestehen aus einzelnen Tönen)

  • Black Night von Deep Purple
  • Harder To Breathe von Maroon 5
  • Breaking The Law von Judas Priest

Quarten-Riffs (bestehen aus parallel gespielten Quarten)

  • Smoke On The Water von Deep Purple
  • Man On The Silver Mountain von Rainbow
  • Cocaine von Eric Clapton

Powerchords (bestehen aus parallel gespielten Quinten)

  • American Idiot von Green Day
  • Whole Lotta Love von Led Zeppelin
  • Rock You Like A Hurricane von Scorpions

Chord-Riffs (bestehen aus Akkorden und Akkordumkehrungen)

  • Highway To Hell von AC/DC
  • Hammer To Fall von Queen
  • Wish You Were Here von Pink Floyd

Die im Vorangegangenen genannten Tech­niken können natürlich auch gemischt auftreten.

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Skalen und Verzierungen

Im Kontext einer Band ist die Gitarre nicht nur ein Harmonieinstrument (Rhy­thmus­gitarre), sondern auch ein Melodie­in­strument (Leadgitarre). Ein prägendes Ton­ma­te­rial für Pop-/Rock­musik ist die Pentatonik:

a-Moll-Pentatonik (links) | C-Dur-Pentatonik (rechts)

Links ist die Struktur der Moll-Pentatonik zu sehen (wenn man davon ausgeht, dass jeder Ton der Pentatonik Grundton werden kann, gibt es darüber hinaus auf den weißen Tasten noch die nach Moll klingenden pentatonischen Skalen auf g und e), rechts eine Dur-Pentatonik (neben der als Dur interpretierbaren pentatonischen Tonreihe auf d).
Pentatonische Strukturen sind auf der Gitarre sehr angenehm zu spielen, da immer nur zwei Töne pro Saite gegriffen werden und das Griffmuster leicht erlernbar ist.

Als Erweiterung der Moll- und Dur-Pentatonik zur Heptatonik lassen sich die dorische und mixoloydische Skala auffassen:

Äolisch / natürliches Moll (links) | Mixolydisch

Auch diese Skalen sind vom Klang her für Pop-/Rockmusik charakteristisch, weil sie keinen Leitton enthalten, der mit der Kadenzharmonik dur-moll-tonaler Musik assoziiert wird. Leittöne und Kadenzen kommen zwar auch in Pop-/Rockmusik vor, jedoch in der Regel mit einer spezifischen Formwirkung wie z.B. in einem Halbschluss am Ende eines Formteils.
Darüber hinaus sind viele bluesnahe Rocksongs von der Klangcharakteristik der Blues-Skala geprägt:

Bluesskala

Grundsätzlich lassen sich jedoch für die Leadgitarre auch andere Skalen und na­tür­lich auch Akkord­brechungen verwenden.

Beim Bending wird eine Saite mit der Greif­­hand nach oben geschoben oder nach unten gezogen, wodurch der ge­griffene Ton mit einem Glissandoeffekt hö­her wird. ›Gebendet‹ werden typischer Wei­se ›Blue Notes‹ sowie das Er­rei­chen von Akkordtönen.
Ähnlich wie das Bending kann auf der Gitarre auch das Vibrato ausgeführt wer­den (periodisches Ziehen oder Drücken der Saite mit variabler Geschwindigkeit und Stärke). Eine beliebte Technik ist das Er­reichen eines Tons durch Bending mit an­schließendem Vibrato.
Beim Slide wird ein Ton über einen Glissandoeffekt erreicht oder verlassen (vergleichbar dem Porta­mento der klassischen Instrumentalausbildung). Ein Slide kann auch aus einer Pause heraus in einen Ton oder von einem Ton aus in eine Pause führen.

Praxistipp: Für das Komponieren des Parts für eine Leadgitarre eignet sich die Moll-Pentatonik (in Dur-Kompositionen die Pentatonik der Paralleltonart), angereichert mit Akkordtönen der Begleitakkorde sowie gelegentlichen Akkordbrechungen. Das folgende Beispiel zeigt ein Gitarrensolo über die Harmoniefolge D-A-h-G:

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