Akkorde mit drei Tönen (Dreiklänge)

von Ulrich Kaiser

In diesem Video lernt ihr als erstes die Größen der Terzen der weißen Tasten auf dem Klavier kennen. Anschließend könnt ihr dann mit diesem Wissen Akkorde bestimmen wie zum Beispiel die Akkorde Dur, Moll, vermindert und übermäßig.



Hallo,

in diesem Video zeige ich euch als erstes, welche Größen die Terzen der weißen Tasten auf dem Klavier haben. Anschließend könnt ihr dann mit diesem Wissen Akkorde bestimmen wie zum Beispiel die Akkorde Dur, Moll, vermindert und übermäßig.
Fangen wir mit den Terzen an: Eine Terz ist auf dem Klavier der Abstand einer weißen Taste zur übernächsten weißen Taste, also zum Beispiel von einem c zu einem e, von einem d zu einem f, von einem e zu einem g und so weiter.
Zum Bestimmen von Akkorden muss man nun wissen, welche Terzen auf dem Klavier groß und welche klein sind. Das ist eigentlich ziemlich einfach, denn

  • die Terzen über c, f und g sind groß (was ihr euch z.B. über einen unsinnigen Spruch wie Caesar fiedelt Geige merken könnt).
  • Alle anderen Terzen, also die Terzen über den Tönen d, e, a und h, sind klein.

Möchte man aus einer Terz, die ohne Vorzeichen klein ist, eine große machen, muss man entweder den unteren Ton mit einem Vorzeichen erniedrigen oder den oberen Ton durch Vorzeichenanwendung erhöhen.
Und wenn man aus einer großen Terz eine kleine machen möchte, dann muss man entgegengesetzt entweder den unteren Ton durch ein Vorzeichen erhöhen oder den oberen Ton durch Vorzeichenanwendung erniedrigen.
Das war’s, mehr muss man eigentlich nicht wissen, um Akkorde bestimmen zu können. Es gibt vier verschiedene, aus drei Tönen bestehende Akkordtypen: Dur, Moll, vermindert und übermäßig. In der Praxis werden diese Akkorde übrigens gerne als Dreiklänge bezeichnet, was zwar nicht ganz korrekt ist, allerdings auch nicht weiter schlimm, da jeder weiß, was gemeint ist.
Fangen wir mit einem Durakkord über C an. Ein Durakkord hat zuerst eine große und dann eine kleine Terz: Die Terz c-e ist groß, und die Terz e-g ist klein, man muss also gar nichts mehr machen, da die natürlichen Terzen über c sind so, dass sie von ganz alleine einen C-Dur-Durakkord oder umgangssprachlich: einen C-Dur-Dreiklang ergeben.
Bei einem Mollakkord kommt zuerst die kleine Terz. Damit aus C-E eine kleine Terz wird, können wir den oberen Ton erniedrigen, der dann es heißt und mit der schwarzen Taste zwischen d und e gespielt wird. Darüber liegt im Mollakkord eine große Terz und es-g ist ja eine große Terz, weil e-g eine kleine war. In der wurde das e erniedrigt, so dass daraus die große Terz es-g wurde.
In einem verminderten Akkord sind beide Terzen klein. Die kleine Terz c-es hatten wir ja schon und da es-g eine große Terz ist, müssen wir den oberen Ton g dieser Terz erniedrigen, womit g zu ges wird. Dieses ges spielt man mit der schwarzen Taste zwischen f und g. Der c-verminderte Akkord besteht also aus den kleinen Terzen c-es und es-ges. Das Gegenstück zum verminderten ist der übermäßige Akkord, in dem nur große Terzen zu hören sind: c-e war ja eine große Terz, e-g jedoch ist eine kleine. Und damit diese groß wird, müssen wir den oberen Ton erhöhen, der wird dann zu einem gis und mit der schwarzen Taste zwischen g und a gespielt.
Habt ihr das Prinzip verstanden, werdet ihr schon bald die verschiedenen Akkordtypen auch von anderen Tasten aus bestimmen können. Denkt dabei immer als erstes an die Größe der Terzen ohne Vorzeichen und verändert diese dann so, dass die Terzen zu dem jeweiligen Akkordschema passen. Ich bin mir sicher, dass euch das schon bald von jedem beliebigen Ton aus gut gelingen wird.

Viel Spaß dabei!


Frage für Profis: Warum ist ein C-Dur-Akkord genau genommen kein Dreiklang?

Der berühmte Musikwissenschaftler Carl Dahlhaus hat eine sehr sinnvolle, jedoch auch knackige Definition des Akkord-Begriffs für tonale Musik angeboten:

›Akkord‹ wurde ursprünglich der bloße Zusammenklang verschiedener Töne genannt. In der Theorie der tonalen Harmonik aber werden erstens nur drei- oder mehrtönige Zusammenklänge als Akkorde bezeichnet, zweitens die zweitönigen Zusammenklänge als Fragmente von drei- oder viertönigen interpretiert, drittens die Akkorde nicht als Resultate, als Zusammensetzungen von Tönen und Intervallen, sondern als unmittelbar gegebene Einheiten aufgefaßt und viertens die Abstände zwischen den Grund- oder Bezugstönen der Akkorde als Kriterium der Klangverbindungen betrachtet.

Carl Dahlhaus, Untersuchungen über die Entstehung der harmonischen Tonalität, Kassel 1968, S. 57.

Es lohnt sich, über diesen (etwas lang und kompliziert geratenen) Satz ein wenig nachzudenken. Dahlhaus sagt:

  • Als Akkord wurden früher alle möglichen Töne genannt, die zusammen erklungen sind (also zum Beispiel auch die Töne c-e-g).
  • Heute bezeichnet man Zusammenklänge aus drei oder mehr Tönen als Akkord, wenn wir diese Töne als eine unmittelbare Einheit auffassen, die einen Grundton hat (wie im Video, wo die Töne c-e-g als Dur- und Moll-Akkord mit dem Grundton c besprochen worden sind).
  • Wir fassen in diesem Sinne sogar Zweiklänge als Akkorde (und nicht als Intervalle) auf. Zum Beispiel können wir c-e oder e-c als ein C-Dur-Akkord ohne die Quinte g hören, also als ein C-Dur-Akkord, bei dem ein Ton fehlt (probiert es am Klavier aus, das geht wirklich!).
  • Eine Akkordverbindung können wir anhand der Beziehung ihrer Grundtöne erkennen (und die Regeln, nach denen bestimmte Akkordfolgen gut klingen, versucht die sogenannte *Harmonielehre* zu beschreiben).

So, und warum ist es nun ungenau, wenn wir von einem C-Dur-Dreiklang sprechen?

Wenn man von einem C-Dur-Dreiklang spricht, dann hat man ja c als Grundton erkannt (denn nur dann kann man ja überhaupt von einem C-Dur sprechen). Das heißt, man hört nicht mehr drei einzelne Töne c, e und g und auch nicht zwei Terzen bzw. Intervalle c-e und e-g, sondern eine Einheit (Dur) mit einem Grundton c. Und genau dann, wenn man diese Einheit erkennt, ist es nach Dahlhaus sinnvoll, von einem *Akkord* zu sprechen (und nicht mehr von einem Dreiklang, in dem die drei Töne dann gleichberechtigt wären).